Wie kann man trauernden Kindern begegnen?

 


  • Jedes Kind trauert anders! Man darf trauernden Kindern nicht mit seinen eigenen Massstäben begegnen. Kinder trauern oft auch im Spiel. Wenn sie also spielen heisst das nicht, dass sie nicht traurig sind oder den Verstorbenen schon vergessen haben.

  • Kinder brauchen ihren Rahmen! Wenn ein lieber, vertrauter Mensch gestorben ist, ist für das Kind plötzlich alles anders. Daher ist es wichtig, dass der "Alltag" im Leben des Kindes so wenig wie möglich verändert wird. Der normale Tagesablauf mit den gewohnten Essenszeiten, die Nachmittagsaktivitäten und auch der Schulbesuch sollten in dem Maße, wie es eben möglich ist, eingehalten werden.

  • Ob eine Teilnahme an der Beerdigung sinnvoll ist, hängt vom Alter und vom seelischen Zustand des Kindes ab. Grundsätzlich gilt, dass das Kind die Chance erhalten sollte, Abschied vom Verstorbenen zu nehmen. Ob es nun im Rahmen der Beerdigung ist oder bei einem persönlichen "letzten Besuch" ist die Entscheidung der Erziehungsberechtigten und auch des Kindes. Keinesfalls aber sollten die kleinen Trauernden ganz davon ausgeschlossen bleiben. Sie können eine Bild malen, ein Gedicht schreiben, Blumen pflücken oder ein Lieblingsstofftier dazu legen. Kinder haben hier oft tolle Ideen. Auch sie sollen das Gefühl haben beteiligt zu sein und noch etwas tun zu können.

  • Auch bei der Grabpflege kann man Kinder gut einbeziehen. Sie dürfen eine Pflanze aussuchen, die sie dann auch selbständig pflegen können oder sie suchen eine schöne kleine Figur aus, die auf dem Grab stehen darf.

  • Informiere Dich in einem Buch über die Trauer von Kindern in den verschiedenen Altersstufen. In unserer Bücherliste gibt es ein reichhaltiges Angebot an Büchern, die über Kinder und deren Trauer informieren.


  • Es gibt viele Bilderbücher und Jugendbücher, die Kindern und Jugendlichen in ihrer Trauer weiter helfen können. Auch hier möchten wir auf unsere Leseliste verweisen.

  • Kinder brauchen kein Mitleid! Sie wollen ernst genommen werden in ihrer Trauer. Sprich offen mit ihnen über ihre Ängste und ihre Gedanken.

  • Auch über die Todesart sollte man offen mit den Kindern sprechen. Oft hören Kinder Gerüchte und Getuschel von Erwachsenen und das ist viel schlimmer als ein offenes Gespräch vorher.

  • Hilf den Kindern, ihre Erinnerungen an den Verstorbenen wach zu halten. Lass ein schönes Foto des Verstorbenen nachmachen und bastle mit dem Kind einen schönen Rahmen oder kauft gemeinsam einen.

  • Achte darauf, dass das Kind seine Trauer lebt und nicht verdrängt. Dazu gehören Wut und Zorn ebenso wie Tränen.

  • Vielleicht gibt es eine Trauergruppe für Kinder bzw. Jugendliche in der Nähe. Das wäre eine gute Möglichkeit mit anderen trauernden Kindern zusammen zu kommen. Das muss das Kind aber wollen, zwingen hilft da nichts.

  • Kinder brauchen Rituale. So könnte man z.B. zusammen einen Luftballon mit einem Briefchen daran steigen lassen oder ein kleines Boot, aus einer Baumrinde gebastelt, mit einem Kerzchen als Gedenken an den Verstorbenen in einen Fluss setzen.

Dies sind nur einige Hilfestellungen. Wir werden diese Liste ständig erweitern, vervollständigen können wir sie wohl nie, denn jedes Kind und jeder Mensch hat andere Bedürfnisse.

 

(c) 2005 Kerstin Müller, Aachen
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